Holocaust-Gedenktag Donnerstag, 27.01.2022

Steele 27.01.2022

Heute vor 77 Jahren, am 27. Januar 1945, befreien Soldaten der Roten Armee die Konzentrationslager von Auschwitz. Nur noch 7.000 Gefangene sind am Leben mindestens 1,1 Millionen Menschen hatten die Nazis dort zuvor ermordet.

Seit 1996 ist der 27. Januar Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus gilt Auschwitz mit seiner grauenhaften Tötungsmaschinerie doch als Symbol für den Holocaust schlechthin.

Wir gedenken hier in Herbern der Opfer des Holocaust und wir haben bei all unseren früheren Gedenken immer im Allgemeinen der Opfer gedacht.
Heute stehen wir hier an diesem Mahnmal, das vor 25 Jahren errichtet wurde und seit dieser Zeit an die Grausamkeiten der Shoa und ganz besonders an die Menschen jüdischen Glaubens erinnert, die hier in Herbern geboren worden waren, Herbern ihr Zuhause nannten, bevor auch sie deportiert wurden.

Heute ist es mir ein Bedürfnis, deren Namen einzeln vorzulesen und damit klar herauszustellen, dass es auch Frauen und Männer aus unserer Gemeinde waren, die zu Opfern der systematischen Vernichtung wurden.
Ich zitiere aus dem Buch von Josef Farwick.

Die Namen sind:

Julie Franken, geb. Samuel, geb. am 25.09.1860 in Herbern, verheiratet mit Salomon Franken in Münster, verschleppt nach Sobibor in Polen, seitdem verschollen

Joseph Franken, geb. am 18.02.1896 in Herbern, verschleppt in das KZ Riga, seitdem verschollen

Siegfried Franken, geb. am 25.07.1899 in Herbern, verschleppt in das KZ Ausschwitz, seitdem verschollen

Karl-Ernst Gumprich, geb. am 27.11.1918 in Herbern, in den Niederlanden aufgegriffen, verschleppt in das KZ Ausschwitz, seitdem verschollen

Hedwig Lebach, geb. Baer, geb. am 29.03.1895 in Herbern, verheiratet mit Kurt Lebach in Paderborn, verschleppt in das KZ Ausschwitz, seitdem verschollen

Helene Marchand, geb. Franken, geb. 20.06.1894 in Herbern, verheiratet mit Louis Marchand aus Wesel, deportiert in ein KZ und seitdem verschollen

Paula Mayer, geb. Franken, geboren am 01.04.1901 in Herbern, verheiratet mit Bernhard (Benny) Mayer aus Laufersweiler, deportiert in ein KZ und seitdem verschollen

Elise Neuhaus, geb. Neuhaus, verw. Ringes, geb. am 03.12.1870 in Herbern, 1. Heirat mit Bernhard Ringes, 2. Heirat mit Siegmund Neuhaus aus Scheidingen bei Werl, verschleppt in das Ghetto Warschau, das Todesdatum ist unbekannt

Ernst Samson, geb. am 08.03.1889 in Herbern, verschleppt in das KZ Riga, dann in das Lager Stutthoff, seit dem 04. August 1944 verschollen

Emma Samson, geb. Meyer, geb. am 11.08.1892 in Soest, verheiratet mit Ernst Samson, verstorben 1945 in Berlin nach der Befreiung aus dem Lager Stutthoff

Julia Stein, geb. Samson, geb. 14.11.1885 in Herbern, verheiratet mit Joseph Stein aus Stadtlohn, verschleppt in ein KZ in Polen, seitdem verschollen

Susanne Stein, geb. Samson, geb. 08.01.1891 in Herbern, verheiratet mit Alfred Stein aus Gescher, verschleppt in das KZ Riga, seitdem verschollen

Helene Weinberg, geb. Samson, geb. am 02.07.1887 in Herbern, verheiratet mit Hermann Weinberg aus Bork, verschleppt in das KZ Riga, seitdem verschollen

Rose Herrmann, geb. Wolff, geb. am 08.12.1895 in Ascheberg, verheiratet mit Georg Hermann aus Rawitsch, verschleppt in das KZ Riga, seitdem verschollen

Bei der Enthüllung dieses Mahnmals am 02.02.1997 forderte Hans Frankental, damals stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Westfalens, „Schule und Elternhaus auf, das Thema Rassismus und Toleranz nicht zu vernachlässigen“ und der damalige Bürgermeister Heiner Knepper „rief die Bürger zu einmischendem Mut statt wegschauender Gleichgültigkeit, zu bürgerlicher Zivilcourage statt scheinbürgerlichem Duckmäusertum auf“.

Umso beklemmender ist für mich die Tatsache, dass diese Worte vor 25 Jahren gesprochen wurden, Antisemitismus, Rassismus, Ausgrenzung, Entrechtung, Wegschauen aber immer noch Bestandteile unserer heutigen Gesellschaft sind.

Deshalb bleibt es wichtig, diese Verbrechen nicht zu vergessen und der Opfer zu gedenken. Genau das tun wir am heutigen Tag, dem Holocaust-Gedenktag.

Auch 77 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz möchten wir dazu aufrufen, rechtes Gedankengut in der Gesellschaft nicht hinzunehmen. Auch 77 Jahre nach dem politischen Ende des Nationalsozialismus, scheint die Vorstellung, einer überlegenen Gruppe anzugehören, um sich selbst aufzuwerten, für viele wieder attraktiv zu werden.

Der Kampf gegen rechte Gesinnungen fordert viel von uns. Er fordert großes Engagement, klare Haltung, immer wieder darauf aufmerksam zu machen und er fordert die Bereitschaft Konflikte einzugehen in der Öffentlichkeit, aber oft auch im Privaten, im Freundeskreis.

Wir sind alle aufgefordert, unser demokratisches Gemeinwesen zu schützen, zu widersprechen, wenn Grundwerte unserer Gesellschaft in Frage gestellt werden.

Wir sollten immer bedenken, dass der gezielten und geplanten Verfolgung und Ermordung von Bevölkerungsgruppen ein Prozess vorausgegangen ist. Ein Prozess, der sehr lange vor dem Jahr 1933 in Gang gesetzt wurde. Denn die Verachtung der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen durch BürgerInnen anderer Konfessionen hat eine lange Tradition. Die anfänglichen Vorboten in einer Gesellschaft sind immer Vorurteile, Spaltung und Missgunst, Schweigen, Wegschauen und der Hoffnung, dass es ja nur die Anderen betreffen wird.

Beginnen wir bei uns selbst und schärfen unseren Blick für Ressentiments, die jedem einzelnen von uns alltäglich begegnen.

Ich möchte dieses Gedenken schließen mit einem Zitat aus einem Gastbeitrag der Zeit von Hanna Veiler vom heutigen Tag, in dem sie kritische Äußerungen junger Jüdinnen und Juden hinsichtlich der Gedenkkultur des heutigen Tages beschreibt.
Kritik, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.

„Es geht nicht um den 27. Januar, sondern vielmehr um die 364 Tage im Jahr, die nicht der Holocaust-Gedenktag sind. Wenn aus den Taten und Gesten, die heute fallen, kein Verantwortungsgefühl des Einzelnen erwächst, wenn mutmaßlich rechtsmotivierte Attentate immer noch ungeklärt bleiben und die Namen öffentlicher Orte weiterhin Antisemit: innen ehren, dann gibt es keine Zukunft für Jüdinnen und Juden in diesem Land.“

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